Mobil in Frankfurt

Artikel: Frankfurter Rundschau 27. Juni 2012

Einmal Forscher sein

Üben für die Uni: Schüler des Lessing-Gymnasiums befragen Frankfurter zu ihrem Mobilitätsverhalten.

Wie entwickelt man eigentlich eine Forschungsfrage? Bei den "ScienceTours" der Goethe-Uni lernen Achtklässler das wissenschaftliche Arbeiten an der Uni kennen. Sie befragen Fußgänger an der Bockenheimer Warte und finden dabei so einiges heraus.

Am Anfang steht die Neugier. Die Neugier lässt einen Fragen stellen. Und mit Fragen beginnt die Forschung. Man bildet Hypothesen, man erhebt Daten, man wertet die Daten aus und interpretiert sie schließlich. So funktioniert Forschung. An der Frankfurter Goethe-Universität können nun auch Schüler erfahren, wie man wissenschaftlich arbeitet.

Auf sogenannten ScienceTours unternehmen Mittelstufenschüler Exkursionen, bei denen sie sich selbst als Forscher betätigen können. Bei der ersten Tour im August 2011 hat eine Gruppe zum Thema Biodiversität Fledermäuse im Ostpark beobachtet. In diesem Sommer geht das Projekt in die zweite Runde. "Bewegte Welt - Mobilität nachhaltig gestalten" heißt das Thema dieses Mal.

Am gestrigen Dienstag hat eine achte Klasse des Lessing-Gymnasiums teilgenommen. Zunächst haben sich die Schüler bei einer Kurzexkursion den Verkehrsknotenpunkt an der Bockenheimer Warte, rund um den alten Campus, angesehen. Wie viel Platz ist jeweils für Fußgänger und Radfahrer im Straßenraum eingeplant? Wie ist die Parkplatzsituation? - So lauteten die Fragen, die sich die Schüler stellten und anschließend selbst eine Forschungsfrage entwickelten, der sie im Laufe des Tages nachgingen. Als Instrument diente eine Umfrage.

Betreut wurden sie dabei von Lehramtsstudenten und Wissenschaftlichen Hilfskräften des Instituts für Humangeographie, das Konzept wurde durch wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Arbeitsbereiche "Mobilitätsforschung" und "Geographie und ihre Didaktik" erarbeitet. Ein Begleitheft soll Lehrern dabei helfen, die Schüler schon im Unterricht auf die ScienceTour vorzubereiten, in einem anderen Begleitheft können Schüler ihre Arbeit dokumentieren.

"Schüler, Eltern und Schulleitung sind von dem Projekt begeistert", sagt Jörg Baierschmitt, Lehrer für Erdkunde und Sport. Besonders schätze er die Authentizität: "Der persönliche Bezug ist da", sagt er. "Mobilität ist für die Schüler das Thema schlechthin und sie können sich damit identifizieren." Baierschmitt lobt auch das Begleitheft.

Auf spielerische Weise

"Die Schüler sind motiviert, etwas außerhalb der Schule zu machen und in die Rolle von Forschern zu schlüpfen", sagt Lehramtsstudentin Katharina Möller. Sie schätzt die Möglichkeit, sich auszuprobieren, da jeder Kontakt mit Schülern für ihre Berufserfahrung von Vorteil ist.

"Bislang fehlte ein Format, das Schüler auf spielerische Weise an das wissenschaftliche Arbeiten heranführt", sagt Olaf Kaltenborn, Sprecher der Goethe-Universität. Doch die Schüler sollten nicht ins Labor, sondern in die "freie Wildbahn". Unterstützt wird das Projekt von Bund, Polytechnischer Stiftung und der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region mit jeweils 35000 Euro. Weitere ScienceTouren sind in diesem Jahr geplant.

Die Veranstaltungsreihe ist nicht die einzige, mit der die Universität um Nachwuchs wirbt. Daneben laufen auch die Kinder-Uni, die bereits 14000 Teilnehmer zählt, und der Schülercampus, ein einwöchiger Sommerkurs für Oberstufenschüler. Damit gibt es ein Format für jede Altersklasse.